Dossier Ausbildung

www.formation-geomatique (Géomatique Suisse 2009-2010)

www.berufsbildung-geomatik.ch (Geomatik Schweiz 2009-2010)

Berufsreform Geomatiker/-in (Geomatik Schweiz 11/2007)

La réforme professionnelle des géomaticiens (Géomatique Suisse 11/2007)

Auf dem Weg nach Bologna – Der Bachelor-Studiengang Geomatik an der Fachhochschule beider Basel (Geomatik Schweiz 1/2005)

Geomatik-Ausbildung Schweiz – Quo Vadis? (Geomatik Schweiz 6/2003)

Thesen zur Geomatik-Ausbildung Schweiz (VPK 1/2001)

Thèses concernant la formation en géomatique en Suisse (MPG 1/2001)

Deux offres complémentaires de formation d’ingénieurs en géomatique (MPG 1/2001)

Comment investir dans la formation? (MPG 1/2001)

Die Ausbildung der Geomatikingenieure in Geoinformatik und in Geoinformationssystemen an der ETHZ (VPK 1/2001)

Gestern Vermessungstechniker – heute Vermessungszeichner – morgen Geomatiker? (VPK 1/2001)

Lernen ist Leben – Lernen schafft Perspektiven (VPK 1/2001)

Geomatik und Umweltingenieurwissenschaften – zwei neue Studiengänge an der ETH Zürich (VPK 8/1998)


Thesen zur Geomatik-Ausbildung Schweiz

Firmen, Behörden und Berufsverbände im Bereich der Geomatik sind sich einig: ein gut ausgebautes, hochqualifiziertes Ausbildungssystem stellt einen kritischen Erfolgsfaktor für die zukünftigen Aktivitäten dar. Verfügen wir jedoch über eine klar ausgerichtete, breit abgestützte und innovative Geomatik-Ausbildungspolitik?

B. Späni, F. Grin

Während die Nachfrage nach informatikorientierten Lehrstellen kaum befriedigt werden kann, haben viele stadtnahe Betriebe Mühe, geeignete Vermessungszeichner-Lehrlinge zu finden. Die Möglichkeit, während der Lehre die Berufsmatura zu absolvieren, ist noch lange nicht selbstverständlich. Ein grosser Teil der Lehrlinge wechselt nach Lehrabschluss oder nach einigen Praxisjahren den Beruf. Das Interesse am berufsbegleitenden Erwerb eines Fachausweises ist klein, die Durchfallquote hoch.

Die Nachfrage nach Absolventen der Geomatik-Studiengänge der Fachhochschulen und universitären Hochschulen ist gross. Die Studierendenzahlen in den Geomatik-Studiengängen sinken bzw. stagnieren auf einem sehr tiefen Niveau.

Die 1997 eingeführten Fachhochschulen führen auf politischer Ebene und innerhalb der etablierten universitären Hochschulen zu Grundsatzdiskussionen über den Stellenwert der technischen Wissenschaften auf universitärem Niveau. Die Praxis fordert eine anwendungsorientierte Ausbildung, die universitären Hochschulen antworten darauf mit einer zunehmenden Förderung der Grundlagenforschung in naturwissenschaftlichen Bereichen.

Am 19. Juni 1999 unterzeichneten 29 europäische Erziehungsminister die Bologna Declaration (http://www.sup.adc.education.fr/europedu/deutsch/index.html). Für die Schweiz unterschrieb Staatssekretär Charles Kleiber. Dieses Dokument hat eine grosse Bedeutung für die Hochschulausbildung. Zentrale Neuerung ist die Einführung einer undergraduate- und einer postgraduate-Ausbildung. Es handelt sich im wesentlichen um das angelsächsische Bachelor-/Master-/PhD-Modell, auch 3/5/8-Modell genannt. Die jeweiligen Minimalausbildungszeiten betragen nämlich 3-5-8 Jahre. Dieses Modell wird für den Aufbau von Studiengängen auf Hochschulstufe und für die internationale Diplomanerkennung eine ähnliche Bedeutung gewinnen, wie die Einführung des Euro im finanzpolitischen Bereich.

Die vertiefte Auseinandersetzung mit dieser Problematik führt unmittelbar zur Diskussion über den langfristigen Auftrag und das Selbstverständnis der einzelnen Ausbildungsebenen im Bereich der Geomatik. Dazu folgende Thesen:

These 1:
Das schweizerische Vermessungswesen ist für potenzielle Berufspersonen zu wenig attraktiv. Der Schritt von der verwaltungsorientierten Tätigkeit zum projektorientierten Geodatenmanagement braucht innovative, dynamische und ganzheitlich denkende Geomatik-Fachleute mit Visionen und dem Willen, diese umzusetzen.

Das Vermessungswesen wird vielfach als konservativ beurteilt, geprägt von Standesdenken und starren Strukturen. Die gestiegenen Anforderungen – Stichworte sind Innovationsbedarf, die breitere und beschleunigte Umsetzung wissenschaftlicher und technischer Erkenntnisse, die zunehmende Komplexität der Projekte usw. – bedingen moderne und zukunftsweisende Berufsbilder und Organisationsstrukturen. Die Anpassung der Verbandsstrukturen ist nur eine der Voraussetzungen für den Wandel vom Geometer zum Fachmann für raumbezogene Fragestellungen.

Die Kundenbedürfnisse und -anforderungen entlang der Prozesskette der Geodaten sind in den Mittelpunkt aller Tätigkeiten zu stellen. Eine professionnelle Geodatenerfassung sowie die Planung, die Realisierung und der Betrieb von Geoinformationssystemen sind als Einheit zu sehen. Dies bedingt den Aufbau von Kooperationen und Vernetzungen der Ingenieurbüros für Geomatik.

These 2:
Strukturelle Veränderungen der Gesellschaft und der Wirtschaft erfordern die Aktualisierung der Berufsausbildung. Die Berufslehre der Vermessungszeichner und der Vermessungszeichnerinnen ist rasch und konsequent auf die Anforderungen der Geomatik auszurichten. Die Berufsbezeichnung muss dem geänderten Berufsbild entsprechend angepasst werden. Geomatiker und Geomatikerin wären attraktive Berufsbezeichnungen die Jugendliche ansprechen.

Die Vermessungstechnik und die Geoinformatik sind die Kernkompetenzen der zukünftigen Ausbildung. Diese vierjährige Ausbildung könnte zukünftig in zwei Phasen gegliedert werden. Die erste Phase bilden das 1., 2. und 3. Lehrjahr. Dieser Abschnitt enthält die Gesamtzahl aller erforderlichen Schullektionen. Am Ende des 3. Lehrjahres findet die Lehrabschlussprüfung statt. Die zweite Phase der Ausbildung, das 4. Lehrjahr, kann für die Vorbereitung zur Berufsmatura oder als themenspezifische Vertiefung, beispielsweise Photogrammetrie, Ingenieurvermessung im Betrieb genutzt werden. Am Ende des 4. Lehrjahres muss der Lehrling eine selbstständige Praxisarbeit vorlegen oder den Abschluss der Berufsmatura vorweisen. Der Fähigkeitsausweis und gegebenenfalls die Berufsmatura werden erst am Ende des 4. Lehrjahres ausgehändigt.

Der in der Deutschschweiz zentral geführte, blockorientierte Unterricht hat sich bewährt und ist beizubehalten.

Die Personalstruktur in Vermessungs- und Ingenieurbüros hat gegenüber früher geändert – es werden heute verhältnismässig mehr Ingenieure als Zeichner beschäftigt. Damit schmälert sich das Rekrutierungspotenzial und es müssen zusätzliche Lehrlingsausbildungsplätze erschlossen werden, die Geomatikerinnen und Geomatiker ausbilden. Zusätzliche "Abwesenheiten" während der Lehre im Hinblick auf die Erlangung der Berufsmatura verlangen vom Lehrling und vom Arbeitgeber das nötige Engagement. Aus organisatorischen und ökonomischen Gründen sind nicht alle Arbeitgeber dazu bereit.

Ein grosser Teil der Jugendlichen besuchen nach Abschluss der obligatorischen Grundschule weiterführende Schulen. Ein Teil der Maturanden ist nicht an einem akademischen Studium interessiert. Mit alternativen Ausbildungsangeboten (z.B. strukturiertes Praxisjahr in Zusammenarbeit mit Fachhochschulen und der Praxis) ist dieses Potenzial zu erschliessen.

These 3:
Ein breites, aber differenziertes Bildungsangebot auf Hochschulstufe ist eine Voraussetzung, um das Potenzial des Geomatik-Marktes Schweiz erfolgreich zu nutzen.

Die Fachhochschulen und universitären Hochschulen unterstützen die KMU des Geomatik-Marktes Schweiz, indem sie dem Nachwuchs gute Grundlagen und Lernfähigkeiten vermitteln sowie neues Wissen. Sie identifizieren künftige Technologien und verifizieren deren Praxisrelevanz. Dabei kommt dem gegenseitigen Technologietransfer zwischen den Hochschulen und der Praxis eine zentrale Rolle zu. Dieser Transfer erfolgt durch die Einstellung der jungen Wissensträger, d.h. der diplomierten Abgänger, durch ein Angebot von Weiterbildungsmöglichkeiten für technische und managementorientierte Kompetenzen und durch die gemeinsame Bearbeitung von innovativen Projekten.

Durch Kooperation der universitären Hochschulen mit den Fachhochschulen ist der Technologietransfer zur Praxis zu optimieren und das Dienstleistungsangebot regional den lokalen Bedürfnissen anzupassen.

These 4:
Die Fachbereiche Geomatik an den Fachhochschulen Muttenz (FHBB) und Yverdon (EIVD) und jene der eidgenössisch Technischen Hochschulen Zürich (ETHZ) und Lausanne (EPFL) müssen ihre Profile noch stärker differenzieren und weiter entwickeln. Um im Bildungs- und Forschungswettbewerb bestehen zu können, sind Qualität und Quantität – sprich Studentenzahlen – ausschlaggebend.

Fachhochschulen sind Ausbildungsstätten der Hochschulstufe, die grundsätzlich auf einer beruflichen Grundausbildung aufbauen. Sie bereiten durch anwendungsorientierte Diplomstudien auf berufliche Tätigkeiten vor, welche die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden erfordern (Bundesgesetz über die Fachhochschulen Art. 2 und 3). Ihre Stärke ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Die berufliche Grundausbildung und die Berufsmatura sind zentrale Bausteine, auf denen die Fachhochschulen aufbauen.

Die universitären Hochschulen entwickeln sich weltweit in Richtung ausgeprägter Forschungshochschulen. Die wissenschaftlichen Grundlagen und das wissenschaftliche Arbeiten gewinnen an Bedeutung. Der akademische Bildungsweg setzt deshalb bei den Studierenden entsprechende Begabung und Interesse voraus. Der Studienabschluss befähigt sie, komplexe Problemstellungen wissenschaftlich zu durchdringen, zukunftsfähige Strategien zu entwickeln und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Dieser Unterschied zu den mehr anwendungsorientierten Fachhochschulen ist Realität. Diese Komplementarität muss anerkannt und gefördert werden, denn sie bildet die notwendige Grundlage für eine fruchtbare Zusammenarbeit.

These 5:
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Hochschulwesen zwingen uns, das 4-Standortemodell (FHBB, EIVD, ETHZ, ETHL) aufgrund der aktuellen Studierendenzahlen zu hinterfragen. Intensive PR-Massnahmen für den Geomatikingenieur, eine überstürzte Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen oder eine gegenseitige Konkurrenzierung lösen die Probleme nicht.

Der Geomatik-Markt Schweiz benötigt in beiden Sprachregionen anwendungsorientierte und wissenschaftlich tätige Geomatikingenieure und Geomatikingenieurinnen. Ein gemeinsam erarbeitetes Bachelor-/Master-/PhD-Modell für den Bereich Geomatik würde erlauben, die bestehenden Mittel zu optimieren, die Attraktivität zu steigern und den notwendigen wissenschaftlichen Nachwuchs zu sichern. Selbstverständlich muss ein solches Modell die unterschiedlichen Vorbildungen der Studierenden (Berufsmatura, Matura) und die Stärken der beiden Hochschultypen (anwendungsorientiert, wissenschaftsorientiert) berücksichtigen. Die Fachhochschulen übernehmen die Aufgabe durch Bachelorstudiengänge den anwendungsorientierten Geomatikingenieur auszubilden. Durch eine Kooperation mit den universitären Hochschulen wird gemeinsam ein modulartig aufgebauter Masterstudiengang Geomatik entwickelt. Die universitären Hochschulen sichern durch eine Intensivierung der Forschung (PhD) den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Die schweizerische Ausbildungslandschaft wird sich in den nächsten Jahren stark verändern. Wir befinden uns auf einer Baustelle mit vielen Auftraggebern, unklaren Kompetenzen und unterschiedlichen Zielsetzungen. Nur eine hohe Dialogbereitschaft, die Kooperation mit allen Beteiligten und das rechtzeitige Erkennen der Realität wird uns ermöglichen, das Projekt Geomatik-Ausbildung Schweiz erfolgreich zu realisieren.

Prof. Bruno Späni
Departementsvorsteher Bau
FHBB Fachhochschule beider Basel
Gründenstrasse 40
CH-4132 Muttenz
b.spaeni@fhbb.ch

Prof. Francis Grin
Dozent für Geoinformatik
EIVD Ecole d‘Ingénieurs du Canton de Vaud
Route de Cheseaux 1
CH-1400 Yverdon les Bains
francis.grin@eivd.ch

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Thèses concernant la formation en géomatique en Suisse

Les entreprises, administrations et associations professionnelles du secteur de la géomatique sont unanimes à affirmer qu’un système de formation bien développé et hautement qualifié représente un facteur de succès pour les activités futures. Mais disposons-nous d'une politique clairement définie, largement soutenue et innovatrice en matière de formation en géomatique?

B. Späni, F. Grin

Tandis que les demandes de places de formation en informatique ne peuvent de loin pas être satisfaites, beaucoup d'entreprises proche des villes ont de la peine à recruter des apprentis dessinateurs-géomètres qualifiés. La possibilité de faire la maturité professionnelle pendant l'apprentissage n'est pas encore évidente. De plus, une grande partie des apprentis change de profession après l'obtention du CFC ou après quelques années de pratique. L'intérêt pour l’obtention d’un certificat de technicien est faible et le taux d'échec élevé.

La demande de diplômés des filières de géomatique des Hautes écoles spécialisées et des Hautes écoles universitaires est élevée. Le nombre d'étudiants dans ces filières est en baisse ou stagne avec de faibles effectifs.

La création, en 1997, des Hautes écoles spécialisées conduit à un débat de principe sur la valeur des sciences techniques au niveau universitaire, aussi bien dans les milieux politiques que dans les Hautes écoles universitaires. La pratique exige une formation orientée vers l'application, les Hautes écoles universitaires répondent à cela avec une promotion croissante de la recherche fondamentale dans les secteurs des sciences naturelles.

Le 19 juin 1999, 29 ministres européens de l'éducation ont signé la déclaration de Bologne (http://www.sup.adc.education.fr/europedu/french/index.html). Pour la Suisse, c'est le secrétaire d'Etat Charles Kleiber qui a signé ce document d'une grande importance pour la formation universitaire. L'innovation centrale est l'introduction d’une formation undergraduate et postgraduate. Dans l'essentiel, il s'agit du modèle anglo-saxon, «Bachelor/Master/PhD», également nommé modèle 3-5-8. Les périodes de formation minimales s'élèvent respectivement à 3, 5 et 8 ans. Ce modèle sera la référence pour la constitution des filières de formation de niveau universitaire et pour la reconnaissance des diplômes au niveau international, comme l'introduction de l'EURO dans le secteur de la politique financière.

L'examen approfondi de cette problématique conduit à discuter des missions à long terme des différents niveaux de formation dans le secteur de la géomatique. Voici 5 thèses qui devraient permettre de lancer le débat:

Thèse 1:
Le domaine de la mensuration suisse n’est pas assez attirant pour les professionnels. En matière de management de géodonnées, la transformation d’une activité orientée administration vers une activité orientée projet nécessite des spécialistes en géomatique innovateurs, dynamiques, ayant une vision globale avec la volonté de la mettre en œuvre.

Le domaine de la mensuration est souvent jugé conservateur, marqué par une attitude professionnelle fermée et par des structures rigides. L'image de la profession et les exigences croissantes du marché (complexité des projets, nouvelles technologies, etc.) nécessitent des dispositions organisationnelles modernes et orientées vers l’avenir. L'adaptation des structures des associations n'est qu'une de ces conditions pour favoriser la mutation du géomètre vers le spécialiste en matière de questions liées à la référence spatiale.

Les besoins et les exigences des clients doivent être placés au centre de toutes les activités. L’acquisition professionnelle de géodonnées ainsi que la planification, la réalisation et l’exploitation de systèmes d'information à référence spatiale doivent être vues comme un tout. Cela nécessite la mise en place de coopérations et la mise en réseau de bureaux d'ingénieurs en géomatique.

Thèse 2:
Les modifications structurelles de la société et de l'économie exigent l’actualisation de la formation professionnelle. L'enseignement professionnel des dessinatrices et dessinateurs-géomètres doit être réorienté rapidement et de manière importante en regard des exigences de la géomatique. Le titre doit correspondre à l’image de la profession. Géomaticienne et géomaticien seraient des titres attirants qui devraient plaire aux adolescents.

La mensuration et la géoinformatique sont les compétences clés de la formation future. Cette formation de 4 ans pourrait être organisée à l'avenir en deux phases. La première phase serait composée des 3 premières années d’apprentissage. Elle contiendrait la totalité des cours professionnels nécessaires. À la fin de la 3e année d'apprentissage, un examen final aurait lieu. La deuxième phase de la formation, la 4e année d’apprentissage, pourrait être utilisée pour la préparation à la maturité professionnelle ou comme approfondissement thématique dans l’entreprise, par exemple dans la photogrammétrie, la mensuration d’ingénieur, etc. A la fin de la 4e année, l’apprenti devrait soit se présenter à l'examen de la maturité professionnelle, soit déposer un travail pratique personnel. Le certificat fédéral de capacité, et le cas échéant la maturité professionnelle, seraient distribués seulement à la fin de la 4e année d’apprentissage. Les cours blocs menés en Suisse allemande ont fait leurs preuves et doivent être maintenus.

La structure du personnel dans les bureaux d'ingénieurs et de géomètres a changé. Aujourd'hui le nombre d'ingénieurs employés est proportionnellement plus élevé que celui des dessinateurs. Ainsi, le potentiel de recrutement pour les HES est réduit et il faut développer des places de formation d'apprentis supplémentaires pour les géomaticiennes et les géomaticiens. La préparation à la maturité professionnelle exige un réel engagement de la part de l'apprenti et de l'employeur. Les journées supplémentaires de cours nécessitent un effort économique et organisationnel que tous les employeurs ne sont pas prêts à faire.

Après l’école obligatoire, une grande partie des jeunes poursuivent une formation en école. Tous les gymnasiens ne sont toutefois pas intéressés à faire des études académiques. Il est donc capital, pour ne pas perdre ce potentiel, d’offrir à ces jeunes une formation préparatoire avant d'entrer dans une HES. Par exemple suivre une année de pratique organisée conjointement entre les Hautes écoles spécialisées et les entreprises.

Thèse 3:
Une large offre de formation au niveau universitaire est une condition nécessaire pour exploiter avec succès le potentiel du marché de la géomatique en Suisse.

Les Hautes écoles spécialisées et les Hautes écoles universitaires soutiennent les PME du marché de la géomatique en Suisse en transmettant à la jeune génération les bases professionnelles nécessaires, la capacité d’apprendre ainsi que la connaissance des nouvelles technologies. Elles identifient les processus du futur et vérifient leur importance pratique. Un rôle central incombe aux Hautes écoles par le transfert des technologies vers la pratique. Ce transfert a lieu par l’engagement des jeunes porteurs de savoir, c’est-à-dire des nouveaux diplômés, par la formation continue en sciences et en management et par le traitement en commun de projets innovateurs.

Par une coopération et une organisation entre les Hautes écoles universitaires et les Hautes écoles spécialisées, ce transfert de technologie vers la pratique doit être optimisé et l’offre des prestations doit être adaptée aux besoins régionaux.

Thèse 4:
Les filières de géomatique des Hautes écoles spécialisées de Muttenz (FHBB) et d’Yverdon (EIVD) ainsi que celles des Ecoles polytechniques fédérales de Zurich (ETHZ) et de Lausanne (EPFL) doivent différencier encore plus fortement leurs profils de formation et continuer à les développer. Pour subsister sur le marché de la recherche et de la formation, la qualité et la quantité d’étudiants sont décisives.

Les Hautes écoles spécialisées sont des établissements de formation de niveau universitaire; elles s'inscrivent en principe dans le prolongement d'une formation professionnelle de base. Elles dispensent un enseignement axé sur la pratique, sanctionné par un diplôme et préparant à l'exercice d'activités professionnelles qui requièrent l'application de connaissances et de méthodes scientifiques (Loi fédérale sur les Hautes écoles spécialisées, art. 2 et 3).

Leur force est la judicieuse combinaison d'une formation théorique et pratique. La formation professionnelle et la maturité professionnelle sont les éléments constitutifs de base sur lesquels les Hautes écoles spécialisées peuvent s'appuyer.

Dans le monde entier, les Hautes écoles universitaires se profilent comme des écoles spécialisées dans la recherche fondamentale. Les bases scientifiques et le travail scientifique gagnent en importance ce qui présuppose que les étudiants qui suivent une filière de formation académique disposent des capacités et de l'intérêt requis. A la fin des études, ils devraient être à même de gérer des projets scientifiques complexes, de développer des stratégies orientées vers l'avenir et d’en assumer la responsabilité. La complémentarité avec les Hautes écoles spécialisées, plus tournée vers la pratique, doit être reconnue et encouragée. Elle constitue la base nécessaire à toute collaboration fructueuse.

Thèse 5:
Les conditions économiques cadres dans le domaine des Hautes écoles nous obligent à analyser « le modèle des 4 sites » (FHBB, EIVD, ETHZ, ETHL) sur la base du nombre actuel d’étudiants. Une introduction précipitée des filières universitaires du « Bachelor » et du « Master » ou une concurrence effrénée ne résoudra pas les problèmes.

Le marché de la géomatique en Suisse a besoin d’ingénieur(e)s en géomatique avec une orientation pratique mais également scientifique, et cela dans les deux régions linguistiques. Un modèle « Bachelor » / « Master » / « PhD », élaboré en commun pour le domaine de la géomatique, permettrait d'optimiser les moyens existants, d'augmenter l’attractivité et d'assurer la formation de la nouvelle génération. Évidemment, un tel modèle doit prendre en considération les formations antérieures différentes des étudiants (maturité professionnelle ou académique) et les forces des deux types de Hautes écoles (appliqué, scientifique). Les Hautes écoles spécialisées prennent en charge les filières de « Bachelor » pour former les ingénieur(e)s en géomatique orientés vers la pratique. En coopération et conjointement avec les Hautes écoles universitaires, une filière « Master » en géomatique organisée en modules est développée. Les Hautes écoles universitaires assurent la formation de la nouvelle génération de scientifiques par une intensification de la recherche (« PhD »).

Le paysage suisse de la formation changera fortement au cours des prochaines années. Nous nous trouvons en pleine évolution avec beaucoup de donneurs d'ordre et des définitions d'objectifs et de compétences peu claires. Seule une grande ouverture au dialogue, une reconnaissance et une acceptation de la réalité et une coopération de tous les intéressés permettront de réaliser avec succès le projet de la formation en géomatique en Suisse.

Prof. Bruno Späni
Departementsvorsteher Bau
FHBB Fachhochschule beider Basel
Gründenstrasse 40
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b.spaeni@fhbb.ch

Prof. Francis Grin
Professeur en géoinformatique
EIVD Ecole d‘Ingénieurs du Canton de Vaud
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Texte intégral: MPG 1/2001
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Deux offres complémentaires de formation d’ingénieurs en géomatique

L’auteur enseigne depuis 25 ans dans la filière HES-SO de géomatique à Yverdon-les-Bains et 12 ans au sein du département de génie rural de l’EPF de Lausanne. Il formule quelques réflexions comparatives et personnelles tirées de sa double expérience pédagogique. Loin de vouloir établir une quelconque échelle de valeur, il souhaite que cet article contribue au maintien en Suisse de deux formations supérieures différentes mais complémentaires. Ce texte est un condensé de l’exposé présenté par l’auteur au congrès de la FIG à Brighton en juillet 1998.

J.-R. Schneider

Le thème traité est délicat, surtout si le lecteur prend mes appréciations personnelles pour des vérités absolues. Le propos doit être nuancé, car l’étudiant standard n’existe pas. Chaque personne possède ses qualités propres. La réalité est forcément complexe, les exceptions étant nombreuses. Que le diplômé EPF ou HES qui ne se retrouve pas dans certaines affirmations sache qu’il fait précisément partie de ces exceptions.

L’ingénieur issu d’une formation académique
L’ingénieur EPF est un concepteur apprécié pour l’universalité de ses connaissances. Il est appelé à des tâches de recherche, de gestion de projets et de management de personnes. Médiateur entre les intérêts privés et publics, il sait concilier et évaluer les incidences tant techniques, écologiques, économiques, politiques que psychologiques de ses choix. Sa formation est donc polyvalente, étendue, avec une part importante consacrée au droit, à l’économie, à la gestion d’entreprise et aux outils de la communication.

Grâce au système des crédits, les plans d’étude actuels offrent aux étudiants une liberté de choix des matières et d’organisation du travail. Les meilleurs sont encouragés à vivre une partie de leurs études à l’étranger. Une fois leur diplôme en poche, certains poursuivent par une thèse.

L’ingénieur issu d’une formation professionnelle
L’ingénieur HES est un réalisateur, un praticien qui maîtrise les techniques les plus récentes. Fraîchement diplômé, il doit être rapidement opérationnel. Sa formation est par conséquent orientée vers la pratique, avec une accentuation sur l’instrumentation, les méthodes d’acquisition, de traitement et de diffusion des géodonnées.

Suivre une formation d’ingénieur résulte d’un choix volontaire de retourner sur les bancs de l’école après la période d’apprentissage professionnel qui a suivi la fin de sa scolarité obligatoire. Il voit cet enseignement comme un perfectionnement devant lui procurer de nouveaux atouts professionnels. C’est la première étape de sa formation continue; alors l’enseignement universitaire constitue pour l’étudiant EPF la dernière étape de sa longue carrière scolaire commencée dès son enfance. Cela montre bien que BAC+3 n'est pas (BAC+5)-2. Donc un diplôme de niveau bachelor (Bac + 3 ans) n’est pas un sous-diplôme de niveau master (Bac + 5 ans).

L’influence du parcours préalable
Les étudiants EPF font preuve de plus d’aisance intellectuelle, notamment linguistique, grâce aux connaissances acquises durant leurs études gymnasiales. Mais comme la majorité d’entre eux n’a vécu qu’en milieu scolaire, ils sont nombreux à manquer de repères concrets par rapport à la pratique professionnelle sur le terrain.

Les étudiants HES ont été confrontés aux exigences d’un patron, à un horaire strict et à des clients pressés. Ils ont bénéficié d’un (maigre) salaire. En se remettant volontairement à étudier, ils acceptent des sacrifices de liberté et d’argent, d’où leur forte motivation qui se traduit par une meilleure participation aux cours.

Le classement 5 des motivations les plus souvent citées par les étudiants romands pour expliquer leur choix d’une formation en géomatique (génie rural et environnement y compris) diffère sensiblement d’une formation à l’autre.

Quelques observations générales
J’ai constaté que l’étudiant-type EPF est plus réceptif au contexte général d’une notion, qu’il cherche volontiers à exprimer sous forme d’équations. Il est plus synthétique et moins analytique que son camarade HES. Curieux de nature, il se fait un point d’honneur à trouver par lui-même des solutions originales. L’éventail des propositions alternatives qu’il suggère dans ses projets est plus riche.

Lors des projets, l’étudiant EPF se montre plus déterminé (parfois téméraire) dans ses propositions. Il sait argumenter ses choix par des avis personnels pertinents. Sa meilleure maîtrise de l’écrit et du parlé ne compense toutefois pas sa tendance à négliger l’importance d’une bonne lisibilité de son écriture manuelle et d’une orthographe correcte (aidé en cela par le peu d’exigence de certains correcteurs !). Par son manque de pratique professionnelle, il est moins influencé par des considérations matérielles, notamment financières. Les propositions très idéalistes et peu applicables sur le terrain sont plus fréquentes. En revanche, il se montre davantage critique, n’hésitant pas à remettre en cause certaines hypothèses. Il conteste plus volontiers la forme ou le contenu d’un cours, voire une évaluation d’un professeur.

L’étudiant-type HES fait preuve de plus de rigueur, surtout dans les détails. Il voue plus de soin à la vérification systématique de ses calculs, contrairement à son camarade EPF qui se contente plus volontiers de ne contrôler que l’ordre de grandeur de ses résultats. Son aptitude à bien organiser la matière traitée et sa meilleure connaissance des normes techniques facilitent la lecture et la compréhension de ses projets. Il manifeste un plus grand souci pour la qualité de présentation de ses dossiers, car sa pratique antérieure lui a appris l’importance de laisser bonne impression aux clients. Son argumentation est plus nuancée avec plus de réticence à donner un avis personnel. Il sait mieux décrire que justifier.

De manière très générale, face à un problème, l’étudiant EPF veut comprendre pourquoi; quelles sont les raisons et l’utilité d’une problématique. L’étudiant HES désire savoir comment une problématique s’applique et dans quel contexte concret. Dès lors la démarche pédagogique ne peut être semblable.

L’influence sur l’enseignement
Les prestations attendues des étudiants sont adaptées à la spécificité de chaque cursus. Ainsi, pour un même projet de semestre en aménagement foncier agricole, je demande

aux étudiants EPF qu’ils soient capables

  • d’évaluerl’opportunité d’effectuer un aménagement dans la région
  • de critiquerl’équipement existant à la lumière de la nouvelle politique agricole
  • d’identifierles principaux conflits avec la nature à analyser dans le cadre

d’une étude d’impact sur l’environnement

  • d’expliquerl’ordre de priorité des critères retenus pour l’attribution du nouvel état
  • d’analysercomparativement quelques alternatives d’attributions foncières

et aux étudiants HES qu’ils soient capables

  • d’estimerla précision et la fiabilité des surfaces numérisées à partir d’un

ancien état graphique

  • de délimiterl’emprise foncière du domaine public nécessaire aux nouveaux chemins
  • de calculerun nouvel état parcellaire pour une douzaine de chapitres cadastraux
  • de contrôlerles surfaces, les valeurs et les soultes sur l’ensemble du périmètre
  • de dresserun barème pour quelques catégories de valeurs passagères

Conclusion
« Entreprise dynamique cherche jeune ingénieur EPF ou HES ». Qui n’a pas été surpris par ce type d’annonce ?

Dans un monde en mutation rapide, le marché de l’emploi offre les meilleures opportunités aux ingénieurs sachant faire preuve de souplesse de caractère, d’ouverture d’esprit, de motivation pour l’entreprise, de goût pour les contacts, de faculté pour travailler en équipe et de l’intérêt pour la formation continue, toutes qualités humaines non dépendantes des aptitudes scientifiques et techniques attestées par le type de leur diplôme.

 

Quel avenir pour l’enseignement professionnel ?

Pénurie récurrente de places d’apprentissage pour nos dessinateurs géomètres qui ne dessineront bientôt plus,

  • inquiétude de nos professionnels de la mensuration face à la diminution des mandats traditionnels liés au cadastre et aux améliorations foncières,
  • remise en question de nos filières HES sous prétexte d’effectifs déclarés sous-critiques,
  • restructuration de nos départements EPF jugés en haut lieu peu porteurs de nouvelles technologies,
  • menace sur la recherche fondamentale en géomatique pourtant garante de la qualité de l’enseignement et source de multiples relations internationales,
  • handicap de notre profession, numériquement peu nombreuse, donc continuellement appelée à justifier sa place et son rôle vis-à-vis du monde politique.

Or, la formation de base comme la formation continue, permettent non seulement d’acquérir des compétences professionnelles, mais forgent aussi notre état d’esprit associatif et contribuent au rayonnement de nos domaines d’activités au sein de la société.

Surfant sur la vague de l’informatique qui a submergé les salles de cours et nos vies, le géomarketing est en forte expansion, caractérisé par l’émergence de nouveaux marchés prometteurs. La géoconnaissance est désormais à portée de Web. Devons-nous y déceler le signe d’un glissement inéluctable de l’enseignement des sciences de la géodésie et du cadastre vers celles de l’information géographique, voire de l’environnement au sens large ? Selon la déclaration de Bathurst (FIG/1999), sans des systèmes efficaces d’administration des terres, le développement durable n’est qu’une simple rhétorique
Quelle formation voulons-nous ?
Pour quelle(s) profession(s) ?
Faut-il découpler formation et profession ?

Il est particulièrement heureux que le premier numéro MPG du nouveau millénaire nous invite à faire le point sur les enjeux actuels de notre formation professionnelle et à découvrir des perspectives porteuses d’avenir.

Jean-Robert Schneider
Professeur à l’EIVD et chargé de cours à l’EPFL
CH-1406 Cronay
 

Texte intégral: MPG 1/2001
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Comment investir dans la formation?

Cette question tourmente les jeunes, les professionnels, les enseignants, les directeurs, les recteurs et les politiciens. Tous les journaux quotidiens élaborent un supplément hebdomadaire dédié à ce sujet et rares sont celles et ceux qui pensent encore que la formation est une étape bien délimitée de leur parcours professionnel. En devenant l'affaire de chacun, il ne faut pas s'étonner que le débat s'enrichisse et ... parfois s'envenime.

B. Merminod

Quelles filières académiques?
Dans le domaine d'activité de la plupart des lecteurs de MPG, des formations dédiées existent à différents niveaux. Les améliorations foncières ont été au centre d'une filière aussi bien à l'EPF de Lausanne qu'à celle de Zürich. Ce qui nous paraît normal est pourtant original: un lien aussi étroit entre une formation universitaire et un domaine professionnel! A l'université comme à l'EPF, l'importance des connections internationales avec d'autres instituts de recherche et d'enseignement croît au détriment d'un rapport de proximité, tout comme les villes se rapprochent entre elles et, proportionnellement, s'éloignent de la campagne qui les entoure. En temps, Genève n'est pas plus loin de Madrid que de Porrentruy. On peut regretter cette tendance, on peut critiquer l'urbanisation, mais les villes sont notre passage obligé vers le monde. Donc, mieux vaut que la prochaine métropole ne soit pas trop loin et que son aéroport ait sa place dans le réseau. Il en va de même pour la formation académique, dont l'ouverture sur le monde doit imprégner les étudiants.

Même l'évolution à la baisse de l'effectif des étudiants n'est pas si particulière. Les diplômes de mécanique et d'électricité sont certes moins prisés, mais c'est au profit de la microtechnique, de l'informatique et des télécommunications. L'enseignement se déplace donc dans ce sillage. La vraie concurrence n'est pas là. Le risque est de voir les jeunes se détourner de la technique, si le droit et l'économie paraissent plus prometteurs. L'exemple américain menace, avec plus d'étudiants en droit que dans toutes les facultés d'ingénierie réunies! Les dérives associées à la toute puissance des juristes, exprimée jusqu'à l'absurde lors de la récente élection présidentielle, doivent nous inciter à valoriser la culture d'ingénieur. La compétition pour attirer des étudiantes et des étudiants dans notre domaine, en nombre et en qualité, ne peut que croître.

Cursus large ou profond?
Pour l'insertion professionnelle, le marché réclame un haut degré de spécialisation, mais le même marché n'hésite pas à rejeter les spécialistes étroits à la prochaine mutation technologique. A terme, c'est la solidité des bases et la capacité d'évoluer qui jouent un rôle capital. Le compromis entre les impératifs du court et du long terme doit imprégner le cursus. Dans certains de nos domaines, il se peut que des mathématiciens, des physiciens ou des informaticiens soient plus vite opérationnels que nos propres diplômés, notamment pour le traitement de signal ou d'image. En revanche, les formations en géomatique et en environnement développent une valeur à long terme: la perception de tous les intérêts qui convergent sur le territoire et la capacité de les intégrer dans toutes les phases de sa gestion. Même sur un plan purement technique, c'est encore la capacité d'intégrer divers éléments qui doit être accentuée: Localisation et imagerie, images terrestres et aériennes, capteurs et algorithmes, information spatiale et aide à la décision. Aucune nouveauté ne vient toute seule. Dans notre domaine, la croissance est générée par l'accroissement de la mobilité et le développement des réseaux. C'est dans ce contexte qu'il faut situer les technologies enseignées.

Lien avec la recherche
Seul le mélange est fertile. Des géographes, des statisticiens et des microtechniciens ont déjà rejoint nos équipes. Sur ce plan, on peut dire que la situation se normalise. Elle se rapproche notamment de celle qui domine depuis longtemps dans les laboratoires spécialisés en environnement, où la recherche est conduite essentiellement par des chimistes et des biologistes. De manière générale, les collaborations dans la recherche peuvent évoluer rapidement en fonction des problématiques qui permettent d'obtenir un financement. Les interactions avec l'enseignement, dans les deux sens, sont nombreuses. Toutefois, l'impact de la recherche est lissé par l'inertie des plans d'étude et l'image qu'on doit pouvoir leur associer.

Lien avec d'autres types de formation
Le modèle européen "3-5-8" ou "de Bologne" fait son chemin: le bachelor en 3 ans, le master en 5 et le doctorat en 8. Le bachelor, défini à l'origine comme un niveau d'entrée dans le monde professionnel, correspond à merveille à la vocation des HES. Mais le syndrome national de l'exception est à l'oeuvre: une section de l'EPFZ est candidate pour en délivrer. Certains veulent concevoir le bachelor également comme un outil de mobilité académique, ce qui en modifie complètement le contenu! Les négotiations sont en cours afin qu'en Helvétie, les 5 ans du master puissent être réduites à 4.5. Cette manie de l'exception est certes ridicule, mais pas davantage qu'une vision linéaire où chacun est poussé dans le même train et ne peut choisir que la gare où descendre. La biodiversité existe aussi dans l'espèce humaine! Restons donc pragmatiques car une seule chose est sûre: les mêmes diplômes vont couvrir un contenu de plus en plus variable. Quel que soit le titre des candidats, les employeurs potentiels vont devoir analyser leur cursus avec une attention soutenue.

Lien avec les milieux professionnels
L'initiative des associations professionnelles de se regrouper sous la bannière "géomatique" est bienvenue. Il faut situer nos activités à un niveau perceptible pour la société, englober des problématiques suffisamment vastes, montrer que nos domaines recouvrent une préoccupation essentielle. Le prochain écueil est la confusion trop fréquente entre la géomatique et la formation de géomètres. Ce dernier terme demeure associé au cadastre et à la construction. C'est clair et c'est bien ainsi, mais il faut absolument que le vocable "géomatique" soit associé à un domaine plus vaste, susceptible d'enthousiasmer les jeunes. L'engouement pour le téléphone cellulaire ne laisse personne ignorer le développement des télécommunications. L'arrivée de services en ligne liés à la position géographique est imminente (l'adresse d'un restaurant indien à proximité, le guidage vers la prochaine pompe à essence, etc.). Sachons en profiter pour dorer l'image de la géomatique. Dans cette mouvance, c'est sûr que les géomètres (brevetés ou non) perdent l'exclusivité du domaine, mais c'est le seul moyen de placer nos compétences où elles retiennent l'intérêt du public, associées à une problématique assez vaste pour maintenir une position privilégiée dans le réseau universitaire.

Vision résumée en quelques points
1er cycle
Promouvoir l'enseignement et maintenir l'expertise nécessaire en géomatique dans toutes les formations liées au territoire et à l'environnement (géomatique "de service").

2e cycle
Elargir les débouchés professionnels pour les spécialistes en géomatique vers la prévention des risques naturels, les réseaux de distribution, la gestion du trafic routier, la navigation aérienne, les télécommunications, ainsi que divers domaines informatiques et industriels. Maintenir la possibilité d'acquérir la formation théorique complète exigée par le brevet fédéral d'ingénieur géomètre parmi les cours électifs. Rendre attractif un raccordement pour des diplômés HES.

3e cycle
Un programme hautement spécialisé de plusieurs mois est difficilement viable, même à l'échelle internationale. En effet, celles et ceux qui ont suivi un 2e cycle orienté vers la géomatique sont très convoités et n'éprouvent aucun besoin de requalification pour assurer leur position professionnelle. En revanche, l'incidence croissante de la géomatique dans d'autres domaines accroît le besoin d'une formation généraliste dans le cadre de programmes destinés à des personnes issues d'autres formations, notamment en sciences naturelles.

Recherche
Développer les investigations principalement vers l'intégration de technologies et les applications liées à la mobilité, aux réseaux et à leur gestion.

Très à l'amont, au niveau de l'école secondaire, je souhaite que tous les élèves soient initiés à la géomatique dans le cadre de l'enseignement de la géographie. Pour apprécier l'arôme, il faut pouvoir goûter. Voilà peut-être un projet que nos associations professionnelles peuvent soutenir. En fin de compte, la géomatique attire celles et ceux qui souhaitent concilier deux pulsions: le goût de la technique et l'attrait pour le monde qui nous entoure.

Prof. Bertrand Merminod
Institut de Géomatique
DGR – EPFL
CH-1015 Lausanne
bertrand.merminod@epfl.ch

Texte intégral: MPG 1/2001
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verlag@geomatik.ch


Die Ausbildung der Geomatikingenieure in Geoinformatik und in Geoinformationssystemen an der ETHZ

Die Technologie der Geoinformationssysteme ist eine tragende Komponente vieler Berufe. In der Ausbildung der Geomatikingenieure wird dieser Thematik entsprechend viel Gewicht eingeräumt. Die Lehrveranstaltungen beinhalten die theoretischen Voraussetzungen und Projektarbeiten, die das erworbene Wissen illustrieren. Es wird klar unterschieden zwischen den allgemeinen und länger dauernden Prinzipien und den relativ kurzlebigen Softwareprodukten, die nur als Beispiele verwendet werden. Das Interesse der Studierenden ist gross. Sie nehmen zahlreich an Wahlveranstaltungen teil.

A. Carosio

Die heutige Technologie der Geoinformationssysteme (GIS) hat für die Berufe mit einem Bezug zum Boden (Vermessung, Planung, Umwelttechnik usw.) einen wichtigen Platz eingenommen. Sie gilt oft als wesentliche Zukunftschance dieser Fachgebiete. Die universitäre Ausbildung im Bereich der Vermessung (früher Kultur- und Vermessungsingenieure, heute Geomatikingenieure) wurde recht früh diesen Entwicklungen angepasst. Die Lehrveranstaltungen der Geoinformationstechnologie haben aber erst in den letzten Jahren dasjenige Gewicht bekommen, das den aktuellen Bedürfnissen von Gesellschaft und Wirtschaft entspricht.

Die Voraussetzungen der Teilnehmer
Die Vorlesungen in Raumbezogenen Informationssystemen, die die ETH Zürich anbietet, sind für verschiedene Studienrichtungen (Geomatikingenieure, Forstingenieure, Absolventen der Fachhochschulen usw.) zugänglich. Die Voraussetzungen, auf welchen die Lehrveranstaltungen aufgebaut werden können, sind daher unterschiedlich. Man kann auf jeden Fall auf der zur Zeit noch gut und breit abgestützten Gymnasialausbildung und auf den allgemeinen Grundzügen (Mathematik, Physik, Informatik, Recht usw.), die im ersten Jahr eines Ingenieurstudiums besucht werden, aufbauen.

Besonderheiten der GIS-Ausbildung
Anders als in der Mathematik kann das erforderliche Wissen nicht im Voraus gegliedert und abgegrenzt werden. Je nach beruflicher Stellung oder Fachrichtung sind andere Informationen erforderlich. Viele der erforderlichen Kenntnisse sind bereits Bestandteil der Grundausbildung oder von Vertiefungsfächer für Geomatikingenieure (Geodätische Messtechnik, Photogrammetrie usw.). Andere Bereiche erfordern nur eine allgemeine Übersicht. Man muss daher in der GIS-Ausbildung nicht alle Komponenten gleich vertieft behandeln. Die Grundzüge der GIS-Technologie werden daher vorzugsweise nach einem Top-Down-Ansatz aufgebaut. Zuerst kommen die allgemeinen Zielsetzungen und die Hauptmerkmale der GIS-Technologie, um eine erste Übersicht zu bieten. Dann geht man aber nur dort in Details, wo es tatsächlich erforderlich ist und das Wissen wird so weit vermittelt, bis eine operationelle Verwendung der erworbenen Kenntnisse möglich wird.

Ein grosser Teil der Ausbildung findet in Form von Übungen und Demonstrationen statt, die anschaulich das theoretisch Gelernte illustrieren und das ingenieurmässige Erfassen erleichtern. Man verwendet dafür marktübliche und verbreitete Software-Produkte, die später auch in der Praxis eingesetzt werden können. Das Problem der Vielfalt der GIS-Software-Produkte, die rasch weiter entwickelt werden, zeigt auch die Grenzen einer allgemeinen und auf die Dauer brauchbaren GIS-Ausbildung. Man kann nicht einzelne Industrie-Lösungen präsentieren und die Besonderheiten eines Lösungsansatzes zu stark betonen.

Man muss die allgemein gültigen Prinzipien vorstellen und die Gesamt-Problematik der GIS-Prozesse unabhängig von Produkten erläutern. Eine oder mehrere GIS-Software werden exemplarisch eingesetzt. Ihre Funktion als Beispiel muss im ganzen Lehrgang ersichtlich bleiben. In unserer Gruppe an der ETH Zürich wurde lange Zeit die Software INFOCAM von Leica wegen der ausgezeichneten Architektur eingesetzt. Nach ihrem Rückzug vom Markt werden ArcInfo und ArcView von ESRI verwendet. Produkte anderer Softwarehersteller werden nach Bedarf eingesetzt. Die Handhabung einer GIS-Software steht in dieser Optik nicht im Vordergrund. Wir vermitteln das Notwendige, um die Übungen abwickeln zu können. Die vertiefte Instruktion der Anwender in den Funktionalitäten bestimmter GIS-Pakete wird auch in vorsehbarer Zukunft Aufgabe der Software-Hersteller (ev. anderer privater Anbieter) bleiben, die die Handhabung der neuesten Versionen ihrer Produkte beherrschen und diese optimal an Kunden und Interessenten vermitteln können.

Ausbildungsinhalte
Im ersten Kurs (Raumbezogene Informationssysteme I) mit ca. 60 Stunden Lehrveranstaltungen liegt das Schwergewicht bei den konzeptionellen Komponenten, auch unter Berücksichtigung, dass sich viele junge Ingenieure mit Projektierungsaufgaben im GIS-Bereich befassen werden. So wird zum Beispiel die grosse Bedeutung der Daten und ihrer Organisation gezeigt und begründet. Ebenfalls findet eine Einführung in die Architektur der GIS-Systeme (Hardware und Software) statt, um eine komponentenweise Beurteilung der angebotenen Systeme zu ermöglichen. Da man heutzutage in den Grundkursen der Informatik die Thematik der Datenbanken nur wenig behandelt, werden einige Stunden diesen wichtigen Komponenten der Informationssysteme gewidmet.

Der Schwerpunkt des ersten Kurses wird dann erreicht mit der Einführung der Methodik der Modellierung der Geoinformation. Die heutigen Systeme ermöglichen nur die freie Modellierung der Thematik (Sachdaten), während die Geometrie vom Hersteller mit einer festgelegten Kombination von Metrik und Topologie als fixe Systemeigenschaft gegeben ist. Der Geomatikingenieur hat sich mit der Projektierung der Gestaltung von Geoinformationssystemen oft zu befassen. Er begleitet in der Regel die Voranalyse, ist verantwortlich für die  konzeptionelle Phase, wo häufig das ganze System mit dem Geometriemodell gewählt wird und entwickelt konzeptionell die Datenstruktur der Thematik. Diese Phasen der GIS-Projektierung und Modellierung werden dazu mit praktischen Übungen und Demonstrationen anschaulich dargestellt und belegen gesamthaft ca. die Hälfte des ersten Kurses. Mit etwas weniger Gewicht werden die Grundlagen der Datenanalyse zur Vervollständigung der Information vermittelt.

Im zweiten und dritten Kurs (Raumbezogene Informationssysteme II und III) finden dann aktuelle GIS-Themen Platz, die einzeln vertieft werden können. So werden Hinweise über Organisation und Betrieb der Informatik im Ingenieurbüro angeboten oder über die Massnahmen für die Gewährleistung der Datensicherheit (angesichts der neuen SNV-Norm aktuell). Die Bedeutung der Datenakquisition mit den mathematischen Hintergründen von Transformations- und Interpolationsverfahren sind ebenfalls im Programm. Neue Aspekte findet man auch bei der Ausdehnung der Geometrie in die dritte Dimension und dies ist ebenfalls ein Vertiefungsthema der Lehrveranstaltung.

Ein grosser technologischer Sprung wird im Zusammenwirken von GIS- und Kommunikationstechnologie erwartet. Es wird daher nicht überraschen, dass Interoperabilität, modellbasiertes Transferverfahren (z.B. INTERLIS), Anbindung von GIS im Internet usw. auch in der Vorlesung entsprechend stark gewichtet werden. Visualisierung und Datenanalyse sind ebenfalls im Inhaltsverzeichnis vertreten.

Mit der Gestaltung des dritten Kurses (Raumbezogene Informationssysteme III) befasst sich intensiv die neu gewählte Professorin für GIS (Christine Giger), die ihre Projektierungs-Erfahrung und ihre Kenntnisse im Bereich der Visualisierung, der Metadaten, des GIS-Marktes und de Kommunikation einfliessen lassen wird.

Semester- und Diplomarbeiten
Im Ingenieurwesen lernt man nur, wenn neben der Theorie auch die praktische Erfahrung vermittelt wird. Dies ist auch den Studierenden gut bekannt. Die Folge davon ist ein grosses Interesse für das Angebot in Form von Projektarbeiten (Vertiefungsblöcke: d.h. ca. 20 Tage Arbeit während des Semesters) oder Diplomarbeiten. Diese Veranstaltungen werden jährlich angeboten und sind sehr personalintensiv, da das erforderliche Betreuungsverhältnis ca. ein Assistent für vier begleitete Studierende gross ist. Die Themen sind jedes Jahr neu (wegen der starken Dynamik des Bereiches).

Um der Nachfrage Folge zu leisten und die Themen vielseitig zu gestalten, werden immer mehr interdisziplinäre Projekte angeboten, an welchen andere Institute oder Fachleute aus der Praxis beteiligt sind. Über die Probleme des Bodenschutzes und der Bodeneigenschaften bekamen wir Unterstützung vom Institut für Geotechnik (Frau Prof. R. Hermanns). Das Thema Statistische Analysen der Qualität von digitalen Geländemodellen wurde vom Politecnico di Milano betreut (Frau Prof. M. Brovelli). Andere gemeinsame Vorhaben werden laufend vereinbart und angeboten.

Langfristiger Nutzen als Ziel
Heutzutage ist man sich im Klaren, dass diejenigen, die in der Technik tätig sind, sich permanent weiterbilden müssen. Trotzdem möchte man bei der Gestaltung von akademischen Lehrgängen nicht Inhalte anbieten, die nur während ein paar Jahren Bedeutung haben. Im Geoinformationsbereich ist das Problem offensichtlich. Die Lösung liegt in der Fokussierung der Lehrinhalte auf die grundlegenden Prinzipien und die Nutzung von technischen Lösungen (z.B. Software-Produkte, Industrie-Ansätze) als Beispiele. Eine solche Trennung erlaubt das Dauerhafte vom Vorübergehenden klar zu unterscheiden.

Gerade diese Fähigkeit wird bei den Teilnehmern im theoretischen Teil gefördert. So gelingt es auch bei Diplom- oder Semesterarbeiten aus einer praktischen Erfahrung mit einer Applikation einer GIS-Software auch allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen, die eine viel längere Lebensdauer haben und auch in Zukunft bei vergleichbaren Problemen ihre Bedeutung behalten werden.

Das Konzept und die Aktualität der Disziplin wiederspiegeln sich in der zahlreichen Beteiligung der Studierenden, nicht nur an obligatorischen Lehrveranstaltungen sondern auch an den Projektarbeiten in Kreditzügen und Diplomaufgaben.

Prof. Dr. Alessandro Carosio
Geo-Informationssysteme und Fehlertheorie
Institut für Geodäsie und Photogrammetrie
ETH-Hönggerberg
CH-8093 Zürich
alessandro.carosio@geod.baug.ethz.ch

Vollständige Version siehe VPK 1/2001
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Gestern Vermessungstechniker – heute Vermessungszeichner – morgen Geomatiker?

Der Berufstitel „Vermessungszeichner“ erzeugt bei den heutigen Jugendlichen ein falsches Bild. Er suggeriert, dass eine zeichnerische Fähigkeit verlangt wird und spricht somit bei der Lehrstellensuche die falschen Schüler an. Es muss sichtbar werden, dass sich die Vermessung in hohem Masse der Informatik bedient, und zwar sowohl im Büro als auch auf dem Feld.

F. Bigler, K. Tschudin

Unser ursprünglich duales Berufsbildungssystem der Meisterlehre mit seinen zwei Pfeilern Lehrbetrieb und Berufsschule wurde in der Zwischenzeit – bei den Vermessungszeichnern erst spät – um die Institution der Einführungskurse erweitert. So bezeichnet man heute die schweizerische Berufsbildung als triales System.

Wie bei den meisten eher kopflastigen Berufen bewirkte die Informatisierung auch bei der Ausbildung von Vermessungszeichnerinnen und Vermessungszeichnern, dass sich – zumindest aus Sicht der Auszubildenden – Schule und Berufspraxis immer weiter von-einander entfernten. So sind die in der Berufsschule vermittelten theoretischen Grundlagen im Büro nur noch selten sicht- und damit erlebbar. Diese divergierende Entwicklung führt bei der theoretischen Ausbildung zu deutlichen Motivationsproblemen. Warum – so fragt sich wohl der Lehrling – soll ich diesen Unterrichtsstoff lernen, wenn ich ihn für die Bewältigung meiner Büroarbeit gar nicht brauchen kann? Die früher sprichwörtliche exakte und zuverlässige Arbeitshaltung der Vermessungszeichner und Vermessungszeichnerinnen hat in der Praxis an Wert verloren. Was zählt, ist das rasch erzielte Resultat, der Weg dazu wird zur Nebensache. Für die Bildung hat diese Haltung fatale Folgen. Der künftige Fachmann wird dadurch verleitet, neue Probleme unabhängig davon, ob sich die Aufgabenstellung geändert hat, immer gleich anzugehen. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass in Wirklichkeit ein grosser Teil der täglichen Arbeit – sicher rund 80% – so erledigt werden kann. Seltenere Arbeiten, die ein Berufsmann eigentlich auch lösen muss, werden einem Lehrling während seiner Ausbildungszeit nicht mehr übertragen und somit auch nicht vermittelt. Die AusbildnerInnen nehmen sich zu wenig Zeit, um die Auszubildenden anzuleiten und auch Fehler machen zu lassen (Kosten- und Zeitdruck). Beispielsweise sind im vierten Fachkurs immer mehr Lehrlinge anzutreffen, die noch nie selbstständig nivelliert haben. Dieser Weg bildet keine echten Berufsleute heran, angelerntes Personal liefert nahezu die gleichen Resultate.

Falsches Bild
Der Berufstitel „Vermessungszeichner“ erzeugt bei den heutigen Jugendlichen ein falsches Bild. Er suggeriert, dass eine zeichnerische Fähigkeit verlangt wird und spricht somit bei der Lehrstellensuche die falschen Schüler an. Dass dies in Wirklichkeit nicht mehr der Fall ist, lässt sich direkt an den jeweiligen Reglementen ablesen. Im Reglement von 1976 waren die Pflichtlektionen noch pro Fachgebiet vorgeschrieben und für das Fachzeichnen ganze 200 von total 840 Berufskundelektionen vorgesehen. Im Reglement von 1991 wa-ren nur noch die 840 Berufskundelektionen ausgeschieden und das Fachzeichnen mit Richt- und Informationszielen umschrieben. In Zürich wurden 120 Lektionen für Fachzeichnen aufgewendet. Neu wurde das Fach Informatik in das Regle-ment aufgenommen und umschrieben. Im heute gültigen Reglement von 1998 wurde der Begriff Fachzeichnen durch Planerstellung ersetzt. Für die klassischen Zeichenarbeiten in der amtlichen Vermessung werden an der Berufsschule Zürich noch 40 Lektionen aufgewendet. Im Sommer 2001 wird es das letzte Mal möglich sein, nach alter Ordnung, also zeichnerisch, die Lehrabschlussprüfung zu absolvieren. Bereits im Jahr 2000 haben nur noch 15 von 120 Lehrlingen nach alter Ordnung abgeschlossen.

Exaktheit bei der zeichnerischen Fertigkeit ist heute nebensächlich geworden, dafür werden gestalterische Fähigkeiten und die Darstellung der dritten Dimension immer wichtiger. Die Auflösung der bisherigen sehr starren Vorschriften erlaubt heute ein gewisses Mass an Kreativität und bietet somit die Möglichkeit, sich von Konkurrenten abzuheben. Will man diese neuen Chancen nutzen, muss man aber bereit sein, Fertigkeiten und Kompetenzen zu erlangen, deren Nutzen jeweils nicht unmittelbar sichtbar sind. Das widerspricht indes dem bei den Jugendlichen leider weit verbreiteten Utilitarismus. Ein weiteres Problem sind die zunehmend zu beobachtenden Sprachschwierigkeiten, welche die Auszubildenden daran hindern, allgemeine und technische Zusammenhänge nachzuvollziehen und zu begreifen.

Vision Geomatiker
Sicher benötigen wir eine Berufsbezeichnung, die das Tagesgeschäft in Übereinstim-mung mit dem heutigen Sprachverständnis beschreibt. Dazu muss der Begriff „Zeichner“ auf jeden Fall verschwinden. Es muss sichtbar werden, dass sich die Vermessung in hohem Masse der Informatik bedient, und zwar sowohl im Büro als auch auf dem Feld. Dabei muss sie sich aber klar von der Informatik abgrenzen. Wir benötigen keine reinen Informatiker. Das Mitdenken bei der Bildschirmarbeit ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Berufstätigkeit. Die in der Informatik weitverbreiteten Ansätze des Probierens bis der Computer keine Fehlermeldung mehr bringt, sind alles andere als erwünscht. Zudem ist die amtliche Vermessung Drehscheibe vieler, verschiedener Anwender. Das verlangt in Zukunft vermehrt nach Fachleuten mit ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten. Zur Erreichung dieser Ziele muss die Ausbildung in Berufsschule und Lehrbetrieb wieder näher zusammenrücken. Der Lehrling muss den Zusammenhang zwischen Berufsschule und Lehrbetrieb unmittelbarer erfahren können.

Das Prestige des Berufes soll hoch sein, damit sich auch gute Schülerinnen und Schüler angesprochen fühlen, die sich nach der Lehre beruflich weiterbilden wollen. Dazu sind wir auf wirksame Werbemittel angewiesen. Die an sich etwas farblosen Berufe im Vermessungswesen sind nicht leicht zu verkaufen, geht es bei ihnen doch eher um die trockene Materie von Koordinaten als um spektakuläre Bauten oder Geräte.

Die vermessungstechnischen Daten und Informationen sollen nach heutigem Verständnis jederzeit und überall zur Verfügung stehen. Dadurch wird häufig vergessen, wie diese Daten entstanden sind. Genau da müssen aber die Fachleute der Vermessung mit ihrem Wissen zur Verfügung stehen. Ohne diese Fachkompetenz sind zukünftige Fehlinterpretationen nicht zu vermeiden. Wenn es uns gelingt, den damit zusammenhängenden Berufsstolz bei den Auszubildenden wieder ins Bewusstsein zu bringen, haben wir einen Schritt in die richtige Richtung getan.
 

Franz Bigler
Karl Tschudin
Baugewerbliche Berufsschule Zürich
Abteilung Planung und Rohbau
Vermessungszeichnerkurse
Lagerstrasse 55
CH-8004 Zürich

Vollständige Version siehe VPK 1/2001
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Lernen ist Leben – Lernen schafft Perspektiven

Ich möchte Sie einladen, zurück zulehnen und die persönliche Bildung zu reflektieren. Stellen Sie sich in aller Ruhe folgende Fragen:
- Wann habe ich mich zuletzt weitergebildet?
- Investiere ich zurzeit mehr in die berufliche oder in die private Weiterbildung?
- Hatte ich Spass im letzten Weiterbildungskurs?
- Hat mich die letzte Weiterbildung beruflich oder privat weitergebracht?
- Was plane ich als Nächstes?

R. Theiler

Unser modernes Arbeitsumfeld hat sich in den letzten Jahren stark verändert und wir stecken heute noch mitten in der Veränderungsphase. Alles was vor 3-4 Jahren noch neu war ist heute bereits wieder veraltet. Dieses Phänomen ist in vielen Branchen zu beobachten. Mit der schnell voranschreitenden Technik muss aber auch unser Wissen stetig erneuert werden. Die Halbwertszeit im Bereich Informatik wird heute mit zwei Jahren angegeben. Das gesamte Arbeitswissen ist nach zehn Jahren nur noch die Hälfte wert. Manchmal müssen wir auch bereit sein, vieles über lange Zeit gültige über Bord zu werfen und Platz für ganz Neues zu machen. Ich denke, dass heute die Eigenverantwortung jedes Mitarbeiters viel stärker gefordert ist als noch vor ein paar Jahren. Wir haben aber heute schon ein Potential entwickelt, das uns mit der „Learning by doing“ Methode sehr schnell weiterbringt.

Und trotzdem:
- bilden sich nur 40 Prozent aller Erwachsenen im Erwerbsleben weiter
- bilden sich vor allem gut qualifizierte Berufsleute weiter
- nur 25 Prozent machen eine betrieblich unterstützte Weiterbildung
- Kurse zur Persönlichkeitsbildung besuchen fast nur gut qualifizierte Berufsleute
- ruht sich die Mehrheit noch auf den Lorbeeren aus.

Das wichtigste ist heute die Überzeugung, dass man nie ausgelernt hat. Die Sozial- und Handelskompetenz und eine gute Kommunikationsfähigkeit sind heute ebenso wichtig wie die Fachkompetenz. Ich muss mein Produkt nicht nur herstellen, sondern vor allem verkaufen können. Beim Erwerb von Wissen muss ich beurteilen können, welche Kenntnisse wichtig sind und wo ich diese finden kann. Die Persönlichkeitsbildung muss heute viel stärker gefördert werden, weil sie länger Gültigkeit hat als alles Fachwissen und uns auch befähigt Neues zu lernen und Perspektiven zu schaffen. Denken Sie daran, dass wir in der Schweiz neben Wasser nur noch unsere Bildung als Rohstoff verkaufen können. Die Steigerung des Lohnes darf nicht die einzige Motivation zur Weiterbildung sein. Ich behaupte aber, dass motivierte, geistig flexible, fachlich kompetente Berufsleute in der heutigen Zeit immer ihren Weg machen. Sie haben vermehrt die Chance sich im Betrieb zu profilieren und sich auch der Verantwortung zu stellen. Mit der grösseren Verantwortung kann auch ein höheres Einkommen gefordert werden.

Durch das Jahr 2001 wird die Kommission für Berufsbildung und Standesfragen (B+ST) mit diversen Persönlichkeiten, die sich mit dem Thema Weiterbildung befassen, ein Gespräch führen. Diese Interviews finden Sie dann monatlich in der VPK und im Internet auf unserer Web-Page www.vsvf.ch. Das Interview mit unserem ersten Gast ist bereits in VPK 1/2001 abgedruckt.

Roli Theiler
Präsident Kommission B+ST
roli_theiler@bluewin.ch 

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