Daten werden zum Erfolgsfaktor von Infrastrukturprojekten

28’000 Baustellen, immer mehr Daten: Wie lässt sich die Komplexität beherrschen?
(@Trimble)

Mit bis zu 28’000 Baustellen auf dem Schienennetz und an Bahnhöfen zählt 2026 zu den intensivsten Baujahren der DB InfraGO. Hinzu kommt die Modernisierung von rund 4’000 Streckenkilometern in 40 Hochleistungskorridoren. Nach Einschätzung des globalen Technologieunternehmens Trimble entscheidet dabei zunehmend die Qualität und Verfügbarkeit der Daten über Termin- und Budgettreue. „Infrastrukturprojekte sind heute hochkomplex und müssen häufig unter enormem Zeitdruck umgesetzt werden“, sagt Andreas Sinning, Vice President Cloud Product & Strategy Field bei Trimble. „Gleichzeitig wächst die Menge hochpräziser Daten, die in den Projekten erfasst und verarbeitet werden muss. Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, aktuelle Daten zu erheben, sondern daraus schnell nutzbare Informationen zu machen und diese für alle Beteiligten verfügbar zu halten. Genau hier können durchgängige digitale Workflows einen wesentlichen Beitrag leisten.“

Infrastruktur endet nicht an Landesgrenzen

Neben der Vielzahl laufender Modernisierungsprojekte stehen auch neue Strecken und der Ausbau bestehender Verbindungen auf der Agenda. Viele dieser Projekte sind Teil der europäischen Verkehrsnetze und sollen die grenzüberschreitenden Verbindungen auf der Schiene stärken. Damit steigt auch die Komplexität der Planung und Umsetzung: Projekte müssen über lange Zeiträume, unterschiedliche Zuständigkeiten und teilweise über Ländergrenzen hinweg koordiniert werden.

Besonders deutlich wird dies bei Projekten wie dem Brenner-Nordzulauf, dem Gotthard-Korridor, der Rheintalbahn als Teil des Rhein-Alpen-Korridors oder den Fehmarnbelt-Anbindungen. Als zentrale europäische Verkehrskorridore verbinden sie Deutschland mit Österreich, Italien, der Schweiz, den Benelux-Staaten und Skandinavien. 

„Wenn Projekte über Ländergrenzen hinweg zusammenwirken, müssen auch Daten und Prozessinformationen übergreifend verfügbar sein“, sagt Andreas Sinning. „Ohne eine gemeinsame digitale Grundlage lässt sich diese Komplexität kaum beherrschen.“

Gotthard-Basistunnel: 500 Gigabyte Daten unter Zeitdruck auswerten

Wie digitale Technologien bei Schadensfällen helfen können, grosse Datenmengen schnell nutzbar zu machen, zeigt das Beispiel des Gotthard-Basistunnels in der Schweiz. Nach der Entgleisung eines Güterzugs im August 2023 musste die beschädigte Infrastruktur unter hohem Zeitdruck repariert und anschließend umfassend überprüft werden.

Die mit Reparaturarbeiten beauftragte Rhomberg Sersa Rail Group erfasste den Tunnel mit dem Trimble GEDO IMS-Scan-System und einem Laserscanner. Dabei entstanden 900 Punktwolkendateien mit einem Datenvolumen von insgesamt 500 Gigabyte. Um die korrekte Position von 20.000 neu installierten Bahnschwellen effizient zu überprüfen, trainierte das Unternehmen in Trimble Business Center ein eigenes KI-Modell und überprüfte die Daten in Trimble GEDO Scan Office. Es erreichte bei der automatisierten Erkennung der Schwellen eine Genauigkeit von 97 Prozent. Der Fall zeigt exemplarisch, wo eine zentrale Herausforderung moderner Infrastrukturprojekte liegt: Daten präzise zu erfassen, reicht allein nicht aus. Entscheidend ist, auch große Datenmengen schnell in nutzbare Informationen zu überführen – gerade, wenn Projekte unter hohem Zeitdruck stehen.

Digitalisierung wird zum Schlüssel

Ob Modernisierung, Aus- und Neubau oder die schnelle Reaktion auf Schadensereignisse: Infrastrukturprojekte müssen effizienter und unter hohem Zeitdruck umgesetzt werden. Gleichzeitig wächst auch politisch die Bedeutung durchgängiger digitaler Prozesse. Der Bundesverkehrsminister kündigte im März 2026 an, Building Information Modeling (BIM) als Standardverfahren für Bundesfernstraßenprojekte etablieren zu wollen. Sein Ziel: „Deutschland wird BIM-Land.“

Damit digitale Prozesse ihr Potenzial in komplexen Infrastrukturprojekten voll entfalten können, kommt es entscheidend auf die zugrunde liegenden Datenflüsse an: Wachsende Datenmengen müssen schnell verarbeitet, über Projektphasen hinweg verfügbar gemacht und von den Beteiligten gemeinsam genutzt werden können. „Eine gute und für alle Beteiligten zugängliche Datenbasis birgt enormes Einsparungspotenzial, weil sie Reibungsverluste reduziert, die Abstimmung verschlankt und Daten nicht mehrfach erhoben werden müssen“, sagt Andreas Sinning. „Angesichts immer komplexerer Projekte und enger Zeitpläne werden durchgängige digitale Workflows deshalb zu einer zentralen Voraussetzung für eine effiziente Projektabwicklung.“

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