Geoinformation und Landmanagement
Géoinformation et gestion du territoire
Geoinformazione e gestione del territorio

Gewässer des Jahres 2026: Auenlandschaft Pfynwald

Aqua Viva zeichnet die Auenlandschaft Pfynwald im Wallis aus

Der Pfynwald zeigt eindrücklich, was passiert, wenn Flüsse Raum haben: Die Rhone gestaltet hier eine vielfältige, dynamische Auenlandschaft. Auen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen der Schweiz und gelten als «Regenwälder der Schweiz». Sie leisten auch für den Menschen wichtige Beiträge, etwa für Hochwasserschutz und Naherholung.

«Der Pfynwald ist die letzte grosse Auenlandschaft im Schweizer Rhonetal und ein Hotspot der Biodiversität. Er steht stellvertretend für die Flussauen, von denen in der Schweiz rund 90 Prozent verloren gegangen sind», sagt Salome Steiner, Geschäftsleiterin von Aqua Viva. «Mit der Auszeichnung ‹Gewässer des Jahres› lenken wir die Aufmerksamkeit auf diese einzigartigen Lebensräume und zeigen, wie wichtig ihre Renaturierung für Natur und Gesellschaft ist.»

Die Auenlandschaft Pfynwald ist ein zentraler Teil des Schutzgebietes Pfynwald und liegt im Walliser Rhonetal zwischen Leuk und Siders. Sie ist seit 1992 im Bundesinventar der Auengebiete von nationaler Bedeutung. Hier hat die Rhone – der «Wilde Rotten» – noch Raum, sich zu entfalten: Sie verzweigt sich, verlagert ihr Bett und bildet Seitenarme und Nebenläufe. Die Auenlandschaft und ihre angrenzenden Gebiete bieten eine Vielzahl an Lebensräumen auf engem Raum – von Kiesbänken und Feuchtgebieten über naturnahe Nebenarme und Zuflüsse bis hin zu trockenen Föhrenwäldern und Steppenflächen. Diese Vielfalt schafft ideale Bedingungen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter spezialisierte Arten wie Flussregenpfeifer, Kiesbank-Grashüpfer und Kleiner Rohrkolben.

Gleichzeitig macht der Pfynwald sichtbar, warum Auen heute so selten sind. Flüsse wurden über Jahrzehnte begradigt, verbaut und kanalisiert. Auch im Pfynwald wurde die Rhone durch seitliche Dämme eingeengt, wodurch wichtige Lebensräume verloren gingen. Der natürliche Wasserhaushalt der Rhone wird bis heute durch die Wasserkraft beeinflusst: Durch Wasserentnahmen kann sich der Fluss nicht vollständig eigendynamisch entwickeln. Dennoch ist der Pfynwald ein Ort der Hoffnung. Er zeigt, dass Revitalisierungen wirken: Im Zusammenhang mit dem Bau der Autobahn A9 durch den Pfynwald setzte der Kanton Wallis zusammen mit verschiedenen Akteuren zahlreiche Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen um. Dank der Rückverlegung von Dämmen, jährlichen gezielten Kiesumlagerungen, der Revitalisierung von Zuflüssen, der Neuschaffung von Teichen und der Auflichtung des Rottensandes konnten Lebensräume ökologisch aufgewertet und zahlreiche Arten zurückgebracht werden. Die Auenlandschaft ist zudem ein wichtiger Ort für Naturerlebnisse. Der Naturpark Pfyn-Finges trägt unter anderem mit Exkursionen und Angeboten für Schulklassen wesentlich zur Sensibilisierung bei.

Mit der Auszeichnung zum «Gewässer des Jahres 2026» rückt Aqua Viva die Auenlandschaft Pfynwald in den Fokus. Sie steht exemplarisch für die Flussauen der Schweiz – Lebensräume von zentraler Bedeutung für Biodiversität, Hochwasserschutz, Wasserqualität und Erholung. Gleichzeitig macht sie deutlich, wie wichtig es ist, diese wertvollen Landschaften zu schützen, aufzuwerten und wiederherzustellen.

«Gewässer des Jahres» von Aqua Viva

Mit dem «Gewässer des Jahres» lenkt Aqua Viva die Aufmerksamkeit auf einen speziellen Gewässerlebensraum bzw. eine spezielle Gewässerlandschaft. Vor dem Hintergrund aktueller Problemstellungen möchten wir die Bedeutung intakter Gewässerlebensräume hervorheben: Im Sinne der Biodiversität, des Landschaftsschutzes sowie der Naturerfahrung und Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für die Auszeichnung zum «Gewässer des Jahres» blicken wir auf die ganze Vielfalt der Gewässerlebensräume – es werden Bäche, Flüsse und Seen, Moore, Quellen, Auen und Gletschervorfelder in den Fokus gerückt.

Exkursion «Gewässer des Jahres 2026»

Aqua Viva lädt zur Exkursion in die Auenlandschaft Pfynwald ein. Vor Ort wird sichtbar, wie dynamisch Flüsse sein können, wenn sie Raum erhalten, und welche Vielfalt an Lebensräumen dadurch entsteht. Die Exkursion richtet sich an gewässerinteressierte Personen.

Datum und Zeit: 10.  Mai 2026, 10.20 Uhr, Treffpunkt: Leuk, Bahnhof

Ende der Exkursion: ca. 15.30 Uhr an Haltestelle Sierre, Parc de Finges

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