Der UN-Bericht State of Geodesy 2026 kommt zu dem Schluss, dass die globale geodätische Infrastruktur zwar funktioniert, aber strukturell anfällig ist. Um ihre langfristige Stabilität sicherzustellen, werden mehrere strategische Massnahmen empfohlen.
1. Internationale Governance stärken
Die grösste Schwäche liegt im Bereich Governance und Strategie. Der Bericht empfiehlt daher den Aufbau stärkerer internationaler Koordinations- und Führungsstrukturen, damit die globale geodätische Lieferkette als zusammenhängendes System gesteuert werden kann. Derzeit gibt es keine Organisation mit ausreichender Autorität und Verantwortung für die Gesamtkoordination.
2. Nachhaltige Finanzierung sicherstellen
Viele kritische Einrichtungen und Dienste sind von freiwilligen Beiträgen und projektbezogenen Finanzierungen abhängig. Der Bericht fordert langfristige, verlässliche Finanzierungsmodelle für Beobachtungsstationen, Datenzentren, Analysezentren und internationale Dienste.
3. Datenmanagement verbessern
Obwohl das Datenmanagement der stärkste Bereich ist, bestehen Schwächen bei Datenqualität, Metadatenverwaltung und langfristiger Archivierung. Der Bericht empfiehlt daher Investitionen in Standards, Datenpflege, Datensicherung und Redundanzmechanismen.
4. Kritische personelle Abhängigkeiten reduzieren
Zahlreiche Prozesse und Softwarelösungen hängen von einzelnen Expertinnen und Experten ab. Empfohlen werden besseres Wissensmanagement, Dokumentation, Ausbildung und Nachfolgeplanung, um den Verlust von Schlüsselpersonen auszugleichen.
5. Geodäsie als kritische Infrastruktur anerkennen
Der Bericht fordert, die Bedeutung der Geodäsie stärker im politischen und gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern. Geodätische Produkte sind eine grundlegende Voraussetzung für Navigation, Telekommunikation, Energieversorgung, Finanzsysteme und Klimabeobachtung.
6. Internationale Zusammenarbeit ausbauen
Die Zusammenarbeit zwischen Staaten, Forschungseinrichtungen, internationalen Organisationen und dem privaten Sektor soll weiter vertieft werden. Ziel ist es, Ressourcen besser zu bündeln und die langfristige Resilienz der globalen Geodäsie zu stärken.
Kernaussage: Die wichtigste Botschaft des Berichts lautet: Die globale Geodäsie muss sich von einem vorwiegend wissenschaftlich getragenen Kooperationsmodell zu einer dauerhaft abgesicherten kritischen Infrastruktur entwickeln. Dazu sind stärkere Governance, nachhaltige Finanzierung und langfristige institutionelle Unterstützung erforderlich.